WN / 30.05.2005
Es war einmal in einem dunklen Kino

Tanztheater: "Motion Pictures" im Pumpenhaus

Münster–

Zwei Jungs verstecken sich in einem großen Kino. Plötzlich füllt sich der Saal mit Leben: Die Stars und Helden aus 60 Jahren Film- und Fernsehgeschichte tanzen wild über das Parkett.

Ob die laszive Marilyn Monroe, der blutsaugende Dracula, der boxende Rocky oder das coole A-Team: In dem Stück "Motion Pictures", das am Samstag im ausverkauften Theater im Pumpenhaus in Münster umjubelt wurde, wollen alle Zelluloid-Helden das gleiche: Im Rampenlicht stehen. Dafür versuchen sie, ihr Bestes zu geben und die Konkurrenz ins Abseits zu manövrieren.

Im Breitwandformat und mit rasanten Übergängen brachte Choreographin Isabella Braun ihr Ensemble "Tanzwerk IB" zu ebenso grazilen wie furiosen Glanzleistungen. Quer durch Stile von Can Can über Ausdrucktanz und Disco-Boogie ging der Reigen. Das meisterhafte Finale erinnerte mit seiner erfrischenden Leichtigkeit und der ausgeklügelten Raffinesse der Szenen (Dramaturgie: Miriam Göbbels) an die großen Revue-Filme der fünfziger Jahre.

Die 29 jungen Tänzerinnen von der Ballettschule Tenbrock mit einem Durchschnittsalter von knapp unter 16 Jahren verliehen den von ihnen verkörperten Filmlegenden ein dynamisches Up-Date, das sich auch durch augenzwinkernde Ironie auszeichnete. Etwa bei der getanzten Blutsbrüderschaft von Winnetou und Old Shatterhand. Die beiden jugendlichen Zufallszuschauer im Kino brachen die rauschende Revue immer wieder auf, indem sie manches hinterfragten oder karikierten, um dann am Ende vom Sog der Illusion mitgerissen zu werden.

Neben "All that Jazz" warf das Stück "Motion Pictures"auch die Frage nach der eigenen Identität und der Orientierung an Vorbildern auf in einer boulevardesken Welt, die von Stars und Zelluloid-Helden geprägt ist. Hoffnungsfroh beendete "Rocky Horror"-Protagonist "Dr. Frank-N-Furter" schließlich mit seinem signifikanten Satz "Don´t dream it, be it!" den ausgezeichneten Tanzabend, der zum Mittanzen anregte und die Sinne belebte.

Peter Sauer

Zurück zur Übersicht